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Sonniger Kappessonntagszug 2001

Kappes, Kamelle und ein Prinzen-Brautpaar


Was war nicht alles an Regengüssen vorhergesagt worden ... Doch zum Glück leuchtete Sonntag Mittag die Sonne beim großen Kappessonntagszug durch die Neusser Innenstadt - und das einzige, was auf die Narren niederregnete waren Kappes und Kamelle. Zum sonnigen Verlauf mag auch das frisch gebackene Brautpaar einen Teil dazu beigetragen haben, schließlich strahlten Prinz Hans IV. und Novesia Trudi I. nach ihrer Hochzeit um die Wette. Das Neusser Prinzenpaar hatte kurz vor dem Umzug im Alten Ratssaal standesamtlich geheiratet.

Und die Brautleute hatten eine Schar von mehr als 100.000 "Gästen", die ihnen vom Straßenrand aus zujubelte - so eine Schätzung der Organisatoren. Mit einer Rekordzahl von rund 2350 Teilnehmern, 26 Großwagen und 14 Musikkapellen schlängelte sich der Zug vom neuen Aufstellplatz an der Hafenstraße durch die närrisch gestimmte Menge.

Mit Mensch- und Wagenverkleidung hatten sich die Jecken sehr viel Mühe gegeben, zahlreiche Gruppen ließen die Zuschauer staunen. Besonders einfallsreich - wie fast jedes Jahr - war die Gruppe "Allzeit bereit", die mit einer Urwald-Truppe für Stimmung sorgte: Mit großen quadratischen, bunt bemalten "Kartons" waren sie als Eingeborene, Giraffe, Nashorn, Storch, Elefant, Riesen-Krokodil unterwegs. In die Tier-Reihe aus Afrika nicht ganz hineinpassend, aber dennoch witzig, war eine BSE-Kuh, die sich für deutsches Rindfleisch stark machte.

"Allzeit bereit" war dann auch folgerichtig die Fußgruppe, die von der Jury, unter anderem besetzt mit Schützenkönig Hans Josef Uhr und Franz-Josef Henn von der Frankenheim-Brauerei, mit dem ersten Preis belohnt wurde. Überhaupt die Fußgruppen: Immer mehr stachen die liebevoll zusammengestellten Kostüme aus der Menge der (Bagage-)Wagen heraus. So nach und nach stiehlt das "Fußvolk" den fahrenden Kollegen die Schau - ob als Vogelscheuchen, Schneemänner, Indianer, Sträflinge oder Schotten.

Auch die BKG der Heimatfreunde hatte sich Nüsser-Ovend-gerecht in eine Truppe silber-blauer Astronauten, goldiger Außerirdischer und zwei Raketen verwandelt, die "Nüsser Kall em All" repräsentierten. Im Schlepptau hatten sie Gäste aus Puerto de la Cruz aus Teneriffa auf einem Wagen, auf dem die Blumenkönigin Jessica Fernandez mitfeierte. Auch die Blauen Funken hatten internationalen Besuch an Bord, eine Abordnung des Millstätter Narren-Parlaments aus Österreich.
Mit Zugleiter Reiner Franzen und dem Rheinbaron, der das Motto-Lied "Nüsser jecke Zauberei" sang, an der Spitze, dauerte der Zug knapp eineinhalb Stunden, bis das Prinzenpaar vorüberzog. Erstmals seit 15 Jahren war unter dem Wurfmaterial, was die Narren mit beiden Händen unters Volk brachten, auch der "Namensgeber" des Kappessonntagszugs: Uedesheimer Bauern reichten den Zuschauern Kappes, Möhren, Eier und Äpfel an. Ansonsten waren kleine Schokoriegel, Popcorn und Chips bei den Fängern am beliebtesten.

Es regnete so heftig Kamelle, dass so mancher in Deckung ging. Auch Bürgermeister Herbert Napp, der wieder als Gardist der Stadt- und Prinzengarde mitfuhr, und seine Stellvertreterin Angelika Quiring-Perl verteilten eifrig fair gehandelte Schokolade. Ob Verbandsligist VfR Neuss als Fischer ("Wir angeln uns noch die Punkte"), der rote Schumi-Ferrari mit Seifenblasen aus dem Auspuff, die Nüsser Rode Husare mit der Konfetti-Kanone "Elisabeth", der FKK Rosellen als Römer, die Engel des Norfer Narren-Clubs, die Meerestiere der Lebenshilfe, der Zirkus der Edelreserve oder die Blaue-Funken-Frauen im Zauberwald - die Narren waren einfallsreich.
Auch die Musikkapellen legten sich ins Zeug: Bayerisches von der Stadtkapelle Dachau, Allemannisches der Stiereschränzer Guggemusik aus der Schweiz, chinesisch gewandet der Akkordeon-Club Enzian und der Fanfarenzug St.Paulus Weckhoven als Clowns. Noch besser wären sie am Markt zu hören gewesen, wenn der Lokalsender NE-WS 89,4 seine Hörer-Wünsche und Musik-Stücke nicht auch nach Zugbeginn weiterhin laut über Lautsprecher gespielt hätte.

Passend zum Motto "Nüsser jecke Zauberei" hatten sich nicht nur die Jecken im Zug, sondern auch die fangbereiten Kamellejäger kostümiert: Hexen und Zauberer beherrschten das Bild. Besonders niedlich, und den kalten Temperaturen angemessen, die Ganzkörper-Verkleidungen der kleinsten Narren: Ein kleiner Eisbär thronte auf den Schultern seines Cowboy-Vaters, während ein Winnie-Puh-Bär mit einer Mini-Tabaluga-Drachen-Version um die Wette hüpfte. Phantasie war eben auch beim Zuschauen erste Narren-Pflicht.
Carina Wernig